Die letzten Wochen

Gestern hat es angefangen und heute regnet es immer noch. Der Monsun ist wieder da, mit seinen grünen Reisfeldern und grauen Regenwolken. Und leider auch mit Schimmel. Es ist so schwül, dass meine Klamotten, mein Reisepass, meine Tasche und diverse andere Dinge angefangen haben, weiße Flecken zu bekommen. Das einzige was dagegen hilft ist es in die Sonne zu legen, aber da es nur regnet muss ich mir was anderes einfallen lassen…

Der Monsun ist gekommen und für mich geht es wieder zurück nach Deutschland. Dass ich in ein paar Tagen  nicht mehr in Indien bin fühlt sich noch nicht sehr realistisch an. 

Der Monsun hat angefangen...
Der Monsun hat angefangen...

Vorgestern waren wir mit den Kindern wahrscheinlich zum letzten Mal am Fluss, der jetzt während der Regenzeit viel Wasser führt. Mit gut 60 Jungs, von denen vielleicht 5 schwimmen können, könnte das ganz schön anstrengend werden, aber da meist alle auf das hören, was man sagt, funktioniert es trotzdem sehr gut. Das liegt vor allem daran, dass die älteren Jungs selbstverständlich auf die jüngeren aufpassen und die jüngeren im Gegenzug auch auf die älteren hören. Schon in der ersten Klasse lernen die Kinder – Obey and respect your elders (Gehorche und respektiere den Älteren).

Einige Kinder wollten schwimmen lernen (Wir haben die Bewegungen schon vorher in der Schule geübt)  und die Besten haben es am Ende geschafft 10 Sekunden über Wasser zu bleiben. Der Rest hat geplanscht, sich an meinen Rücken geklammert um durch die Gegend gezogen zu werden und am Ende wollte keiner mehr aus dem Wasser.

 

Wenn ich anfange zu überlegen, was genau ich hier gelernt habe, dann ist das schwierig zu sagen. Vielleicht lässt es sich am ehesten daran erzählen, was ich wahrnehme; wie die Menschen in Baghmara leben, wie das Leben in der Schule ist und wie ich hier gelebt habe.

Baghmara liegt im Bundestaat Bihar, der nicht nur zu den ärmsten in Indien zählt, sondern auch mit den schlechtesten Ruf hat. „Ein Staat in dem sich jeder seine Regeln macht“ heißt es im Lonely Planet. Als wir rumgereist sind und erzählt haben, dass wir in Bihar leben, waren alle immer total erschrocken – it is so dangerous there. Ich habe dann immer erzählt, dass ich bis jetzt absolut keine schlechte Erfahrung gemacht. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir auch rund um die Uhr „beschützt“ wurden.

Vor allem am Anfang war das schwer. Ich bin aus einem zwölf Stunden Tag in Deutschland gekommen, wo man jeden Tag was anderes macht, wo es keinen interessiert wenn man erst um 5 Uhr morgens wieder daheim ist. Hier konnte es passieren, dass wir eine Woche am Stück das Schulgelände nicht wirklich verlassen haben.

Nach einiger Zeit ist das dann besser geworden, weil ich mir im November ein Fahrrad gekauft habe um damit (natürlich in Begleitung von Fabian, alles andere wäre undenkbar gewesen:)) in das nächste Städtchen zu fahren zum Zahnpasta kaufen, andere besucht habe und mich einfach daran gewöhnt habe nicht so viel zu tun. 

Blessing im Nebel
Blessing im Nebel

Wenn man zum Doktor geht, ins Dorf, überall bekommt man mehr oder weniger ernst gemeinte Einladungen doch mal auf einen Besuch vorbeizuschauen.

Wir haben es geschafft fast alle Kinder der gesamten Schule zu besuchen und nach jedem Besuch hatten wir einen Zuckerschock. Egal wo man hinkommt, den obligatorischen Chai, ein Tee mit Gewürzen, Milch und viel Zucker gibt es immer. Manchmal gibt es Samosa (frittierte Teigtaschen), Ladoos (superleckere Süßigkeitenbällchen) oder Kekse. Und egal wo man hinkommt hat der andere Zeit oder nimmt sie sich. Da weder Fabian und ich viel Hindi verstehen, haben wir meist Sister Manisha mitgeschleppt. Und während sie sich mit den Eltern unterhalten hat, haben wir die Kinder angelacht oder versucht mit Händen und Füßen und Hindi auch mal was zu sagen.  

Jedes Mal aufs Neue beeindruckend finde ich die Gemeinschaft unter den Kindern, v.a. zwischen den Geschwistern. Shakshi ist jetzt in die erste Klasse gekommen, ihr kleiner Bruder ist in der KG 1. Das Wort für ältere Schwester ist „Didi“ in Hindi und genauso  benimmt sie sich. Vans wird gebadet, erzogen, die Wäsche gewaschen, … Ich habe noch genau vor Augen, wie er ein Stück Papier auf den Boden geworfen und seine Didi völlig entrüstet angerast gekommen ist und er das Papier wieder aufheben musste.

 

 

Mit den letzten Tagen in Indien, kommt auch das Lehrer sein zu einem Ende. So sehr ich die Schule mit den Kindern vermissen werde, so war das Unterrichten manchmal ganz schön anstrengend. Die Kinder waren oft laut, es sind ja auch Kinder, sind rumgerannt und wollten nicht immer auf das hören was ich gesagt habe. Die Klassen sind groß, meist 40 Schüler und besonders anstrengend wird es, wenn sie wenig Englisch, und vor alle,m verstehen.

Trotz allem, waren besonders die letzten Wochen nochmal gut. Das lag daran, dass ich noch ein neues Belohnungssystem eingeführt habe und wir uns aufeinander eingestellt haben. Manche Kinder brauchen auch einfach ein bisschen Ermutigung. Zu viel loben ist meist nachhaltiger als zu viel schimpfen… In der 2. Klasse, die ich in Reading and Writing unterrichte, habe ich einen Jungen, der die ganze Zeit damit beschäftigt ist Scheiße zu bauen. Er macht das glaube ich gar nicht absichtlich, aber stillsitzen fällt ihm super schwer. Ich habe angefangen am Anfang ein Bewegungslied einzubauen und als er letztes Mal ohne Aufforderung in sein Buch geschrieben hat, habe ich ihn überschwänglich gelobt. Von da an, ist er am Ende jeder Stunde gekommen um Hausaufgaben zu bekommen, die er jedes Mal gemacht hat. 

 

Noch ein paar Eindrücke der letzten Tage:

Nachdem die Kinder uns angemalt haben, hat uns die Polizei einen Kontrollbesuch abgestattet und konnten sich Lachen kaum verkneifen
Nachdem die Kinder uns angemalt haben, hat uns die Polizei einen Kontrollbesuch abgestattet und konnten sich Lachen kaum verkneifen
Am Ende haben wir von fast jedem Kind in der Schule eine wunderschöne selbstgebastelte Abschiedskarte bekommen.
Am Ende haben wir von fast jedem Kind in der Schule eine wunderschöne selbstgebastelte Abschiedskarte bekommen.
Ein wunderschönes Abschlussplakat, nur ein bisschen peinlich, wenn es auf 2 Meter gedruckt wird:)
Ein wunderschönes Abschlussplakat, nur ein bisschen peinlich, wenn es auf 2 Meter gedruckt wird:)

Jetzt, wo mein Jahr sich dem Ende neigt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Spenden zu bitten. Die St. Xavier´s School steht in einem Dorf und dementsprechend haben die Kinder die auf unsere Schule gehen meist wenig Geld, die Eltern sind oft Bauer, Autorikschafahrer oder Lehrer.  Es gibt jedoch verschiedene Dinge, die durch die Hostelgebüren alleine nicht gedeckt werden können.

Zum Beispiel ein Wasserfilter. Das Wasser ist stark eisenhaltig, aber die Kinder trinken es ungefiltert, weil momentan leider kein Geld für einen Filter vorhanden ist.

Etwas anderes was mir am Herzen liegt, ist die Bibliothek. Bis jetzt gibt es noch keine und die einzige Möglichkeit etwas zu lesen sind die Schulbücher. Zwischendurch haben wir ein paar Bücher gekauft und die Begeisterung, mit welcher die Kinder die lesen, hat mir gezeigt, wie wichtig es wäre, diese Möglichkeit zu schaffen.


Eine Woche in Kalidanga

Ajay hat bei der Border Security als Soldat in Jammu - Kashmir gearbeitet. Eines Tages ist er beim Training aus mehreren Metern Höhe auf einen Betonplatzgesprungen und hat sich dabei an der Wirbelsäule verletzt.

 

Khushi, deren Name „glücklich“ bedeutet, ist schon 6 Jahre alt, kann aber trotzdem viele Sachen nicht, die andere Kinder in ihrem alter können: alleine laufen, reden, zur Schule gehen und Fahrrad fahren. Der Grund ist, dass sie zu früh geboren ist und seither spastisch krampft.

 

Beide sind nach Kalidanga gekommen, zum Alternative Health Care Center.

 

 

Vor ungefähr 30 Jahren fragte ein deutscher Jesuit Father Peter, ob er Geld haben möchte. Von damals umgerechnet ca. 400 Euro kaufte er die ersten Maschinen und hat mit Physiotherapie begonnen. Mittlerweile ist daraus ein Krankenhaus, in dem sich die Leute aus den umliegenden Dörfern behandeln lassen können, manche kommen auch von weiter weg und müssen für einen Tag Behandlung nur 30 Rupees (40 ct) bezahlen. Zum Vergleich: in normalen Kliniken bezahlt man mehr als 500 Rupees.

 

 

Das Leben in den Dörfern, vor allem die Feldarbeit ist hart und auszehrend und die Menschen kommen mit Rückenschmerzen, Lähmungen, Nackenschmerzen,…Neben  Physiotherapie, gibt es Ultra Sound Massage, einen Raum mit Elektrostimulation, Magnet Therapie und eine Homöopathische Apotheke.

 

Vor allem in der Regenzeit kommen viele mit Schlangenbissen. Die Behandlung klingt ein bisschen nach Hokuspokus, funktioniert aber echt: Benutzt wird eine Art Stein, komprimierte Medizin. Die Haut wird an vier Stellen angeschnitten und die „Steine“ auf die jeweiligen Schnitte gelegt. Wenn die „Steine“ runterfallen, ist das Gift nicht mehr im Körper. Danach muss man diese in Milch legen und kann sie wiederbenutzen. Allerdings funktioniert das nur bei Bissen an Armen und Beinen, aber nicht in Kopf Nähe.

 

 

 

 

Jeden Morgen kamen um zehn oder halb elf unsere „Patienten“ reingeschneit. Wir mussten die Gelenke bewegen; Hand öffnen – Hand schließen, Handgelenk nach hinten – Handgelenk nach vorne, Arm beugen – Arm strecken usw. Alles 25 mal.

 

Übungen mit den Kindern
Übungen mit den Kindern
Behandlung von Nackenschmerzen
Behandlung von Nackenschmerzen

Am Anfang haben sich die Kinder noch vor den „komischen“ Menschen gefürchtet, aber schon am zweiten Tag, kamen völlig gesunde, die sich einfach auch mal behandeln lassen wollten

 

 

Unter unseren Patienten waren vor allem spastische Kinder, aber auch Fälle von Epilepsie. Ein Vater hat mir traurig von seinem Sohn erzählt, der früher zur Schule gegangen ist, geredet hat, auf Bäume geklettert ist, bis er eine Art der Epilepsie bekommen hat und jetzt vor mir auf der Liege liegt und nur leicht die Augen öffnet, wenn ich mit den Übungen anfange; untermalt von vielen Gesten und mit Wiederholungen, damit ich es mit meinem brüchigen Hindi verstehen kann.

 

 

Es gibt aber auch schöne Geschichten. Viele, die vorher nicht laufen konnten, können jetzt gehen, mit Hilfe der Therapie. Das einzige was es braucht ist ein langer Atem. Manche Behandlungen dauern bis zu zwei Jahren und weil die Dörfer weit weg sind, muss man so lange in Kalidanga wohnen.

 

Die Woche, die ich mitarbeiten durfte, hat mir sehr sehr gut gefallen. Es hat mich berührt, wie dankbar die Menschen sind. Eine Frau hat, nachdem ich mit den Übungen fertig war und meinen Arm genommen und ihn geküsst.

 


Lehrer sein in Indien

Letztens, als wir bei der Einweihung einer neuen Schule waren, hat mich eine Sister gefragt, wie denn Klassenzimmer in Deutschland aussehen  - ein Waschbecken mit Trinkwasser in jedem Raum, eine Tafel zum hoch- und runterschieben, bunte Kreide, ein Overheadprojektor, Schränke, eine Pinnwand, Tische mit Stühlen, ein Beamer oder evtl. noch ein Smartboard, die meisten kennen das ja. Dazu kommen die Labore, die Kunst- und Musikräume,…

 

Wenn ich hier in Indien vor einer Klasse stehe habe ich eine einfache Tafel, ein Schulbuch und weiße Kreide zur Verfügung – das muss reichen um Unterricht für 40-50 Schüler zu machen.

 

 

Ein weiterer Unterschied ist hinsichtlich der Ausbildung. Je mehr ich unterrichte, desto mehr merke ich, was für ein unglaubliches Privileg ich mit meinem Unterricht in Deutschland hatte. Die Lehrer wissen selten, wie man abwechslungsreichen Unterricht gestalten kann, wissen wenig über die Psychologie der Kinder,…. Zudem muss man auch sehen, dass unsere Teachers  7 Stunden am Tag unterrichten müssen und das ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiß super anstrengend. Danach fehlt meist die Motivation noch viel mehr zu machen. Man ist schon einen Großteil der Zeit damit beschäftigt die Hausaufgaben zu korrigieren, bei 40-50 Schülern kommt schon einiges zusammen.

 

 

Es wird jeden Tag ein bisschen heißer und deshalb fängt die Schule jeden Morgen schon um 6 Uhr mit der Assembly an. Assembly ist der Morgenappell (Gebet, Nationalhymne), der jeden Samstag mit marschieren um den Platz erweitert wird. Denn, das ist sehr sehr wichtig an indischen Schulen „Disziplin“. Es wird schon fast als magisches Wort verwendet. „Keep discipline“, „Be discipline“,… Disziplin bedeutet hier v.a. in einer geraden Reihe zu stehen und nicht zu reden. In Deutschland ist diese Bedeutung von Disziplin auch wichtig, aber sie steht nicht an erster Stelle. Seine Sachen pünktlich abzugeben hat beispielsweise mehr Wert.

 

 

 

 

Ich habe übrigens einen neuen Lieblingsplatz. Die letzten freien Sonntage haben wir genutzt um mit den Kindern zusammen zum Fluss zu laufen. Der ist ungefähr eine halbe Stunde entfernt und so machen sich alle, bewaffnet mit Handtuch, Seife und frischen Klamotten auf den Weg durch die Felder. Auf den letzten Metern wird gerannt um ja der Erste im Wasser zu sein. Die wenigsten Kinder können richtig schwimmen, aber das ist kein Problem, denn das Wasser geht an der tiefsten Stelle vielleicht bis zum Knie. So wird geplanscht, sich nass gespritzt, „getaucht“. Und selbst die Mädchen haben sich nach dem zweiten Mal ins Wasser getraut - natürlich in voller Montur, alles andere wäre undenkbar. Während dessen stehen oft einige Dörfler daneben und schauen verwundert dem Badechaos zu und den dazwischenstehenden Weißen und man kann sich gut vorstellen was in ihrem Kopf vor sich geht – die sind verrückt! Irgendwann muss man dann alle wieder aus dem Wasser scheuchen, was seine Zeit braucht, denn alle wollen nur noch „only pac (five) minute more“. Es wird langsam dunkel und alle machen sich auf den Weg zurück.

 


Malerarbeiten

Nachdem auch der letzte Stapel „Question Papers“ unserer Final Examination fertig korrigiert war, haben bei uns die Ferien begonnen. Die letzten freien Tage haben wir genutzt um drei der Klassenräume ein wenig zu verschönern. Das Ergebnis darf man hier bestaunen:

 


Jagdfieber

Es ist nachmittags, 3 Uhr: ich stehe mit hochgekrempelten Hosenbeinen im Wasser unseres Senffeldes, in der Hand einen Stock. Ich bin auf Rattenjagd.

 

Neben mir stehen 11 Jungs aus unserem Hostel  mit Steinschleuder und Stöcken bewaffnet. Noch bevor die erste Ratte gefangen ist, muss schon ein Streifenhörnchen (ähnlich zu unseren Eichhörnchen) dran glauben. Wer Streifenhörnchen einmal beobachtet hat kann sich vorstellen, wie schwierig es ist eines zu jagen. Das arme Tier wird aufgeschreckt und es wird versucht es mit Steinen, Stöckern oder Lehmklumpen zu treffen. Ist das Streifenhörnchen oben, auf einem der vielen Bäume klettern die Kinder hinterher. Das ist echt beeindruckend zu sehen, wie sie sich an einem glatten Baumstamm hochziehen können. Oben angekommen wird so lange an den Ästen geschüttelt, bis das Streifenhörnchen runterfällt. Mit viel Geschrei versucht jeder mit seinem Stock etwas zu erwischen. Meistens entwischt es jedoch und alle rennen hinterher.

Für ein Streifenhörnchen wird bis in die Bäume geklettert...
Für ein Streifenhörnchen wird bis in die Bäume geklettert...

Ursprünglicher Sinn unseres Unternehmens war jedoch die Ratten zu fangen. Dazu wurde Wasser auf das Feld gepumpt, und gleichzeitig geschaut, wo eine nasse Ratte hochkommt, das man zuschlagen kann:

 

Was wie eine Befriedigung von Mordgelüsten klingt, ist jedoch sehr nützlich. Die Ratten hatten Teile unserer Ernte gefressen, zwei unserer Bananenstauden zerstört und mich bereits einmal in meinem Zimmer besucht. Und auch die niedlichen Streifenhörnchen, können auch einigen Schaden anrichten.

 

In ihren Dörfern, so haben es mir die Kinder erzählt, gehen sie auf Jagd mit ihren Freunden. Wenn sie morgens losziehen, kommen sie mittags mit einem vollen Eimer zurück.

 

Am Abend gab es dann eine Bereicherung unseres Speiseplans. Die 2 Ratten und 5 Streifenhörnchen wurden über das Feuer gehalten, bis sie schwarz wurden um dann das Fell abschaben zu können. Danach wurde alles in kleine Stücke gerissen und mit Zwiebel, Chili und Gewürzen angebraten. Nach 8 Jahren Vegetarier sein, hat man natürlich nicht allzu viele Vergleiche, aber besonders lecker hat es nicht geschmeckt.

 

Den anderen Dayschoolers (Schüler die nicht im Hostel wohnen) sollten wir davon aber besser nichts erzählen. Einige sind Vegetarier und auch der große Rest findet es sehr eklig Ratten zu essen…

 

Bei Lust auf mehr Bilder schaut doch mal in meiner Fotogalerie nach. Ich habe ein paar neue Bilder hochgestellt.


Viele liebe Neujahrsgrüße aus Baghmara. Wegen der ziemlich blöden Kombination aus kein Strom, kein Internet kommen meine Weihnachtsgrüße erst jetzt.

 

Frohe Weihnachten – Merry Christmas  - खुश क्रिसमस

 

   

 

An Heilig Abend haben wir unser Haus super kitschig geschmückt und sämtliche Girlanden, Luftballons und Christbaumkugeln aufgehängt, die wir gefunden haben. Fabian und ich haben noch „German christmas cookies“ gemacht und „special German tea“ (Glühwein), um uns ein bisschen mehr Weihnachtsstimmung zu haben. Das war so anstrengend, dass ich am Abend in der Christmette  damit kämpfen musste nicht einzuschlafen.

 

Danach sind alle auf einen Platz neben der Kirche gegangen und ich habe mich schon gefreut zu tanzen. Irgendwie hat dann doch niemand mehr getanzt, was vielleicht daran lag, dass die Musik zu leise war oder allen zu kalt war.

Am nächsten Tag gab es dann so viel zu essen, dass alle fast geplatzt sind und heute, am 2. Weihnachtstag machen wir uns auf den Weg nach Gaya, den Startpunkt unserer Nordindienrundreise…

 

Vorbereitungen für Weihnachten und die kitschigste Dekoration im ganzen Dorf :)
Vorbereitungen für Weihnachten und die kitschigste Dekoration im ganzen Dorf :)

Als letztes muss ich aber noch vom Besuch des Nikolaus erzählen…

 

Als sich zum 6. Dezember viele deutsche Kinderschuhe gefüllt haben, hat der Nikolaus auch einen kleinen Abstecher zum St.Xavier´s Hostel in Baghmara gemacht. Nachdem Hannah und Agi (die Freiwilligen, die vor uns da waren) den Nikolaus letztes Jahr eigeführt haben und die Kinder sich schon im Sommer gefragt haben, ob dieser sie dieses Jahr auch besuchen kommt, konnten wir sie schlecht enttäuschen.

 

Nach dem Abendessen haben wir dann am 5. Dezember dreieinhalb Stunden 120 Päckchen gepackt gefüllt mit einer Orange, zwei Bonbons und einer Seife, als Anregung sich öfter zu waschen:D  Mit Taschenlampe in der Hand und der Kiste mit unseren Päckchen haben wir uns runtergeschlichen und die sauber polierten Schuhe zu füllen. Viele der Kinder hatten auch einen Brief zu ihrem Schuh gelegt. Manche haben sich bedankt, dass er zu ihnen kommt, andere wollten, dass er sie mal besuchen kommt und haben ihn eingeladen. Wieder andere haben ihr Herz ausgeschüttet, von ihren Sorgen und Problemen erzählt und den Nikolaus gebeten für sie zu beten.

 

Die Kinder haben sich am nächsten Tag riesig gefreut, dass der Nikolaus zu ihnen gekommen ist und etwas nur für sie gebracht hat. Gerade bei den Kleineren war die Freude groß, während sich die Größeren nicht sicher waren, ob hinter dem Nikolaus nicht einfach Father George steckt.

 

 

 

Zu guter Letzt wünsche ich allen, die das lesen, ein frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 


Neben mir auf dem Tisch liegen eine Präsidentin, ein Doktor, ein Wissenschaftler, ein Armeeangehöriger, ein Tänzer. Die Diwaliferien haben begonnen und ich kontrolliere die Hausaufgaben meiner 5. Klasse: About me. In 100 Wörtern sollte jeder etwas über sich, seine Familie, Über das was er mag,… schreiben. Was würde ich tun, wenn ich der Präsident wäre; was möchte ich werden wenn ich groß bin. Es war super spannend zu sehen, wie die Kinder sich selber sehen und sie dadurch ein bisschen besser kennenzulernen.

 

Seit meinem letzten Blogartikel ist ja schon einige Zeit vergangen, deswegen mache ich mal da weiter wo ich das letzte Mal aufgehört habe zu erzählen. An den Tanzwettbewerb haben sich unsere Examinations angeschlossen. Es wurde ruhiger auf dem Schulhof, denn jede Minute wurde plötzlich kostbar. Die Kinder mussten sehr viel lernen und es wurde noch mehr durch die Tatsache, dass sie oft nicht verstehen, was sie eigentlich lernen, weil ihre Englischkenntnisse  zum Teil noch nicht so gut sind. Deshalb habe ich versucht zu zeigen, wie man auf andere Arten lernen kann, beispielsweise mit Gesten oder indem man sich den Stoff in einem Schema aufzeichnet um es dadurch vielleicht etwas besser verstehen

 

Nach dem sowohl die Examinations als auch die riesigen Stapel Korrekturen beendet waren, ging es mit dem Zug in die Puja Ferien nach Kalkutta. Wir haben Alex besucht, der am Rande der Stadt in einem Kulturzentrum arbeitet. Wegen Durga Puja war die ganze Stadt in Feststimmung, überall waren sogenannte Pandals aufgebaut. Der Legende nach kommt Durga, die Muttergöttin vom Himalaya um Gerechtigkeit zu bringen. Die Pandals sind eine Art temporärer Schrein aus Bambus, welcher mit Stoff überzogen ist. Es sieht sehr kunstvoll aus und keiner gleicht dem anderen. Innendrinnen ist die Statue der Durga zu sehen, zusammen mit einigen anderen Götterstatuen. Nach dem Ende des Festes wird sie, so würden Nichthindus sagen, weggeworfen. Sie wird in die Howra, einen Seitenarm des Ganges gegeben, damit sie dorthin zurückgelangen kann, wo sie hergekommen ist. Am Abend hatte man dann das Gefühl einen kleinen Sprung in die Weihnachtszeit gemacht zu haben, alles war sehr schön beleuchtet.

 

Als wir zurückgekommen sind habe ich gemerkt, wie gut es war Ferien zu haben. Nach 3 Monaten, je 6 Tage Schule in der Woche einmal richtig rauszukommen war gut. Und ich habe gemerkt, dass mir das Unterrichten mehr Spaß macht als vor den Ferien. Ich habe das Gefühl, dass es im Klassenzimmer leiser geworden ist, oder auf jeden Fall nicht lauter, auch wenn manche Stunden immer noch anstrengend sind und Hausaufgaben noch nicht so gemacht werden, wie ich mir das manchmal wünschen würde.

Ich hatte mir vorgenommen weniger Frontalunterricht zu machen, was v.a. in den unteren Klassen so gut wie gar nicht funktioniert. In meiner 5. Klasse haben wir z. B. versucht die einzelnen Texte aus unserem Englischbuch in ein Theaterstück zu übersetzen, da ich manchmal das Gefühl hatte, dass sie nicht alles verstehen. Ich habe die Gruppen eingeteilt und es hat erstmal überhaupt nicht geklappt. Ich hatte ein Mädchen mit zwei Jungen eingeteilt, die dann zwei Meter voneinander entfernt saßen. Das sind für mich Situationen, die zeigen, dass man sich in einem anderen Land mit einer anderen Kultur befindet. Erst später fällt einem auf, was besser gewesen wäre. Am Ende hat unser kleines Theater dann doch geklappt, nachdem ich einige Gruppen noch geändert hatte.

 

Letzte Woche Samstag haben wir unseren Childrens Day gefeiert, vorbereitet von den Lehrern, zu denen wir ja jetzt auch gehören. Am Morgen, als das Schultor geöffnet wurde, war der Schulhof gefüllt mit Kindern die sich zur Feier des Tages ihre schönsten Kleider angezogen hatten.

Zu den obligatorischen Tänzen mussten, so hatten es die Lehrerinnen beschlossen, Glitzerkleider getragen werden. Ich besitze keines und habe dann eines von einer Schülerin ausgeliehen bekommen. Als nach den Goldohrringen und der Perlenkette aus Plastik, auch noch ein Blumenhaarreif hinzukam, habe ich gefühlt einen kleinen Ausflug zurück in meine Kindergartenzeit gemacht. Den Kindern hat es jedoch gefallen, was an diesem Tag ja die Hauptsache war.

Nach dem Programm, gefüllt mit Tänzen, Liedern und einem kleinen Theaterstück gab es noch ein kleines Fußballspiel, bei dem mein Haus gewonnen hat:) Alle Kinder sind nämlich in vier verschiedene Häuser eingeteilt, rot, gelb, blau und grün. In diesen machen sie ihre March Pass, bei der sie jeden Samstag um den Platz marschieren, oder es gibt verschiedene Competitions.

Zum Abschluss des Tages gab es noch Jalebis, eine ölige Süßigkeit. Man konnte sehen, wie sehr sich die Kinder gefreut haben, dass „ihre“ Lehrer etwas für sie vorbereitet haben.

Die Diwaliferien haben begonnen, wir hatten erst Pläne wegzufahren,  die dann leider doch nicht geklappt haben. Wir werden uns wahrscheinlich ein Fahrrad kaufen, um ein bisschen mehr rumkommen zu können. Und einen Kochkurs machen, damit wir die vielen leckeren Sachen auch daheim machen können. Momentan versuchen wir uns an Chapatis, die momentan aber noch eher unförmigen Eiern gleichen statt schönen runden Chapatis. Wir werden einen Teil der Kinder in ihren Dörfern besuchen, vielleicht auch mal joggen, da ja jetzt keiner mehr da ist, der zuschauen kann, die erste Weihnachtspost losschicken… Morgen wollten wir mal ins Kino gehen um uns einen der Bollywoodfilme anzuschauen und versuchen zu verstehen, was andere daran so toll finden:)


Nach fast drei Wochen Vorbereitung war es endlich so weit, der große Moment war gekommen. Ich stand mit 33 anderen Schülern und Teachern festlich geschmückt in einer Reihe und wartete darauf das es losgeht. Wir haben an einem „Trible-Tanz-Wettbewerb“ teilgenommen, der in Purnea veranstaltet wurde, um den traditionellen Tanz der Tribles zu erhalten. Am Anfang war ich super aufgeregt und die Ermahnungen der Anderen - „You have to dance really nice, everyone is looking at you!” – habe nicht gerade zu meiner eigenen Beruhigung beigetragen. Aber kaum konnte man die Schläge der Trommel und den Beginn des Liedes hören war alle Nervosität verflogen und man hat sich wie selbstverständlich in seine Schritte reingefunden.

Der Tanz an sich bestand aus 10 Liedern, zu denen jeweils andere Bewegungen gemacht wurden. Alle haben sich an den Händen oder an die Schulter gefasst und man hat sich tanzend im Kreis bewegt. Wenn ich einmal sehr gutes Internet habe, lade ich gerne unser Tanz-Video hoch.

Am Ende hatten wir den dritten Platz belegt, waren super stolz und die Feier hat den Eindruck vermittelt als handle es sich um eine Siegesfeier. Dazu wurden unsere Trommeln wurden nochmal ausgepackt und jeder hat angefangen zu tanzen und zu singen. Und sogar der Busfahrer, der uns zurück zu Schule gebracht, wollte es sich nicht nehmen lassen auch mitzufeiern.

Traditioneller Indischer Tanz beruht vor allem auf der Verbindung einzelner Bewegungen, die das Publikum zu deuten weiß und mit Hilfe derer ganze Geschichten erzählt werden. Die Tänzer werden schon in jungen Jahren in dieser Kunstform ausgebildet; die ganze Ausbildung zum Tänzer dauert viele Jahre.

Trible-Tanz hingegen ist ein Gemeinschaftstanz, das Miteinander steht im Vordergrund. Jeder macht die gleichen oder zumindest ähnliche Bewegungen und jeder, egal ob Alt, Jung, Mann oder Frau, jeder ist ein Teil des Tanzes. Auch dadurch dass man beim Tanzen relativ dicht steht kann man die Bewegungen der anderen aufnehmen und weitergeben, sodass am Ende im Optimalfall alle eine Einheit bilden.

Tribles nennen sich selber auch „Adivasi“ deren Name übersetzt „erste Menschen“ oder „erste Siedler“ bedeutet. Ein  Teil lebt in kleinen Dörfern weit abgeschieden in den Bergen oder in Wäldern. Diese Abgeschiedenheit führt nach sich, dass es oft gar keinen Zugang zu Bildung gibt. Mir wurde erzählt, dass die Jesuiten die einzigen sind, die ein Hostel für eine English Medium School explizit für Adivasi betreiben. Die Hostelschüler, alles Tribles wohnen jedoch Stunden von der Schule entfernt, meist in abgelegenen Dörfern.

Hinzukommt, dass es einige Minderheitenrechte für Adivasi gibt, diese aber oft nicht darüber Bescheid wissen. Durch einen Schulbesuch haben sie dann die Möglichkeit mehr über ihre eigenen Rechte zu erfahren und weitere Zugeständnisse und Schutz zu erreichen.


Hier schon einmal ein paar Bilder, weitere werden noch folgen.

1. Fabian und ich mit "unseren" Fathers                 2. Auf dem Weg nach Purnea                 3. Ankunft                 

4. Die Vorfreude ist groß; im Hintergrund kann man den Platz erkennen, wo wir getanzt haben


So, mit ein bisschen Verspätung melde ich mich jetzt mal wieder mit einem Blogartikel. Den Artikel habe ich schon seit einiger Zeit fertig, aber wir hatten kein Internet, keinen Strom oder beides zusammen nicht, sodass ich ihn erst jetzt schicken kann:

 

19.September 

Gerade ist Samstagmorgen. Ich sitze im Staffroom, was dem Lehrerzimmer entspricht und nutze die Freistunden, um meinen nächsten Blogartikel zu schreiben.

Knapp 2 Monate bin ich jetzt schon hier, in Baghmara, aber es kommt einem oft viel länger vor. Ich durfte in den letzten Wochen so viel lernen und erleben und habe so viel geschenkt bekommen, v.a. an Immateriellem, wofür ich sehr dankbar bin.

Vor zwei Wochen hatten wir die Möglichkeit bei der Segnung einer Kirche dabei sein zu dürfen. Wir sind deshalb morgens in der Frühe losgefahren. Am Autofenster sind Reisfelder vorbeigezogen, wir haben kleine Dörfer durchquert, deren Straßen teilweise so klein waren, dass nur ein schmales Auto + ein Motorrad nebeneinander fahren konnten und mussten immer wieder anhalten um Kinder, Leute auf Fahrrädern, Bauern auf dem Weg zu ihren Feldern, Ziegen und Kühe vorbeizulassen.

Schließlich angekommen, wurden wir empfangen von Musik, Tanz und vielen Menschen. Wir bekamen einen gelben Segenspunkt auf die Stirn und sind dem kleinen Umzug gefolgt, der sich langsam in Richtung Kirche bewegt hat. Vorneweg haben Frauen getanzt, gefolgt von dem Bischof und den Ordensleuten der Umgebung und den Schluss hat dann die Gemeinde gebildet. Die Kirche war das einzige feste Gebäude im gesamten Dorf und sollte nun, nachdem der Bau fertiggestellt war eingeweiht werden. Der Gottesdienst ging insgesamt 2 Stunden, die wir jedoch draußen vor der Kirche verbracht haben. Innendrin ist sie sehr schlicht, aber schön. Im Anschluss gab es noch ein Programm mit Tanz und Gesang, es wurden einige Reden gehalten und der Bischof bekam eine Ziege geschenkt. Während das Programm noch weiter ging wurden wir zu einem kleinen Haus geführt und es gab für alle etwas zu essen. Das Essen war jedoch so scharf, dass ich fast heulen musste und ich mindestens zwei Liter Wasser getrunken habe. Mir hat das Fest sehr gut gefallen. Auch wenn mein Hindi noch sehr bescheiden ist und ich mich deshalb so gut wie gar nicht unterhalten kann, konnte man sich jedoch immer mit einem Lächeln verständigen oder verschiedenen Gesten. Das gemeinsame Feiern und dadurch auch ein kleiner Teil dieser Feiergemeinschaft sein zu dürfen, war ein schönes Erlebnis.

Ein anderes Ereignis hatten wir am 5. September, den Teacher´s Day, welcher in ganz Indien zur Ehrung der Lehrer veranstaltet wird. Gefeiert wird er am Geburtstag von Radhakrishnan. Er war Professor und der zweite Präsident von Indien. In Andenken an ihn wird dieser Tag zelebriert. Schon eine Woche vorher haben die Kinder geprobt, sodass es am Ende ein abwechslungsreiches zweistündiges Programm gab. Es gab ein kleines Theaterstück, Reden und Tänze. Am Ende wurden dann alle anderen Schüler rausgeschickt und es waren nur noch die Schüler der 6. und höchsten Klasse übrig. Es gab einen supersüßen superfettigen Kuchen, von dem jeder ein Stück bekommen hat und mit dem die Schulleiterin am Ende die Schüler gefüttert hat. Das war total schön zu sehen, da sie oft sehr streng und ernst im Umgang mit den Schülern wirkt. Darum war es umso schöner sie mal von einer anderen Seite zu sehen, von einer Seite, wo sie zeigen konnte, dass doch alle Schüler sehr gern hat. Etwas anderes an diesem Tag hat mir gut gefallen und zwar die Tatsache, dass ich ja jetzt auch zu den „Teacher´s“ gehöre. Und man freut sich schon ziemlich, wenn man eine Karte bekommt mit den Worten: „Our very dear teacher Miss Antonia wish you a very happy teacher´s day“.

Das „Teacher-Sein“ ist oft ziemlich anstrengend und manchmal können die Kinder richtige kleine Teufelchen sein, die einfach nicht zuhören wollen und das Gespräch mit ihrem Banknachbarn wesentlich spannender finden oder einfach Lust haben ein bisschen den Unterricht zu stören. Oft hat man das Gefühl, dass man einen großen Teil der Zeit damit verbringt für Ruhe zu sorgen. Belohnt wird man dann in den Momenten, in denen alle gespannt zu hören und es zur Abwechslung mal mucksmäuschenstill ist, weil man es geschafft hat es spannend und interessant zu gestalten.

Momentan proben wir gerade für einen klassischen Trible-Tanz der Uraos, den wir nächste Woche Samstag vortanzen werden.


Das war´s fürs erste von mir. Ganz liebe Grüße aus Indien.

Ach ja und wer Lust hat kann sich natürlich auch gerne mal den Blog von meinem Mitfreiwilligen Fabian anschauen. Dazu einfach einmal hier klicken.


Hallo ihr Lieben!                                                                                                      

Mittlerweile ist es jetzt schon gute vier Wochen her, dass wir in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen sind. Wir haben den Ganges überquert und sind angekommen hier, in der St.Xaviers School in Baghmara.

Schon die Fahrt hierher war super spannend, erst mit dem Bus durch Kalkutta, dann noch vier Stunden weiter mit dem Zug und schließlich noch zwei Stunden mit dem Jeep nach Dumka, wo wir ein paar Tage geblieben sind. Ich kann mich erinnern, dass keiner von uns auf der Fahrt wirklich viel gesprochen hat, weil wir so damit beschäftigt waren alles gleichzeitig zu sehen. Erst durch die vollen Straßen von Kalkutta und dann in den Zug. Viele Reisfelder, unterbrochen von kleinen Dörfern sind draußen vorbei gezogen, während drinnen Händler ihre unterschiedlichsten Waren angeboten haben, von Kugelschreibern über Nähsets hin zu allen möglichen Sorten an Essen und Chai, der total übersüßte, aber sehr leckere Tee, durfte auch nicht fehlen.

Als wir dann nach ein paar Tagen in Baghmara waren, hatten wir noch das große Glück Hannah und Agi zu treffen, die Freiwilligen, die vor uns da waren. Deren Abreise hatte sich ein bisschen verzögert, da sie Probleme bei der Ausreise hatten.

In der Schule wurden wir dann offiziell ein paar Tage später begrüßt, mit einem Welcomesong und Blumen für jeden.  Außerdem ist dann jedes Kind vorgekommen und hat uns die Hand geschüttelt. Ich kann mich nicht erinnern vorher schon mal so viele Hände auf einmal geschüttelt zu haben… Manche haben sich auch runtergebeugt und die Füße berührt, was am Anfang etwas ungewohnt war. Doch es ist Teil der Begrüßung von Tribals.

Auf die Schule gehen hauptsächlich Kinder, die verschiedenen Tribes (deutsch: Stämmen) angehören. Die Meisten den Santali oder Uraos. Nach dem indischen Kastensystem gehören die Tribes keiner Kaste an, gehören also zu den Kastenlosen. Dies bedeutet in weiterer Folge, dass viele bis heute zu den ärmsten Menschen Indiens zählen.  Die Schule bietet so die Chance auf Bildung und für viele der Eltern ist es schon etwas sehr besonderes, ihr Kind auf eine English Medium School schicken zu können.

Angefangen zu unterrichten, was ja mit zu unseren Aufgaben gehört, haben wir relativ schnell. Wir haben Bücher, denen wir folgen und so unterrichten wir pro Tag 4 Stunden in Social Studies (das entspricht in etwa MENUK in Baden-Württemberg), Englisch, Moralscience (vergleichbar mit Ethik/Religion) und noch Computer.  Langsam spürt man, dass man reinkommt und auch an Sicherheit gewinnt. Eine Klasse hat ca. 40 Schüler und da ist es manchmal schwer die Kontrolle zu behalten, für Ruhe zu sorgen und gleichzeitig mit dem Stoff weiterzumachen.  Außerdem muss  ich einen Sari tragen, was bis jetzt nicht gerade sehr praktisch ist. Erstens ist es ziemlich warm, weil man erst einen langen Rock anzieht und darüber Unmengen an Stoff wickelt. Und dann verheddert sich das gesamte Konstrukt oft wenn man geht, was in weiterer Folge bedeutet, dass man nur Minischritte machen kann. Aber mir wurde versichert, dass man sich ab einem Monat ein bisschen besser damit fühlt, es besteht also noch Hoffnung…

Die Schule selber, die St. Xavier‘s English Medium School ist mitten in dem Dörfchen Baghmara und etwas weiter weg beginnt dann die nächst größere Stadt Purnia. Dadurch, dass es sich um ein kleines Dorf handelt ist es erstens schön grün und zweitens ist der Lärm von der Straße vergleichsweise gering. Auf dem sehr schönen Schulgelände steht einmal die Schule, wo unterrichtet wird, aber auch die Hostelkinder, die Lehrerinnen und die Sisters in den leeren Klassenräumen schlafen. Dann gibt es noch ein Haus, in dem Fabian, mein Mitfreiwilliger,  und ich mit Father George und Father Abraham wohnen und dann noch ein Haus wo die Lehrer schlafen. Außerdem gibt es noch 3 Kühe und eine Ziegen und jede Menge verschiedener Bäume: Mango- und Zimtäpfelbäume, Goava-, Dattel- und Bananenbäume und noch einige andere.

Wenn die Schule aus ist, gibt es erstmal etwas zu Essen und danach haben die Kinder Pause, gefolgt von einer Stunde Studytime. In der Zeit schlafen wir dann meistens, waschen Wäsche oder lesen etwas.  Um 4 Uhr beginnt dann die Worktime, in der wir manchmal auch mitarbeiten und daran an schließt sich dann die Playtime, in der wir mit den Kindern verschiedenste Sachen spielen. Hoch im Kurs steht bei den Jungs Fußball, aber Cricket, mit mir völlig undurchsichtigen Regeln, wird auch gerne gespielt. Seilspringen ist auch beliebt und heute werden wir in die Regeln des Cabbeddi eingeweiht. Mal schauen ob wir das verstehen… :)

Hier zeige ich gerade Fotos von meiner Familie. Es hat mich total gefreut, dass sich alle so dafür interessiert haben. Als ich erzählt habe, dass ich 3 Schwestern habe und keinen einzigen Bruder, habe ich manchmal ein bisschen Enttäuschung bei den Kindern gespürt. Und zwar in der Weise, dass in vielen Familien, so wie ich das warhrgenommen habe, der Sohn leider doch noch eine größere Bedeutung hat.

Independence Day

Am 15. August hatten wir das Glück den Independence Day miterleben zu dürfen. An diesem Tag wird von dem Prime Minister von Indien die Flagge im Red Fort gehisst. Auch in unserer Schule wurde die Flagge gehisst, die Nationalhymne gesungen und anschließend gab es eine Parade, bei der zweimal um den gesamten Schulhof marschiert wurde. Schon eine Woche vorher wurde jeden Tag eine Stunde dafür geprobt, damit an diesem Tag alles reibungslos abläuft.  Es gab noch ein kleines Programm mit Tanz und Gesang und dann durften alle nach Hause gehen. Nachmittags hatten uns dann die Jungs aus dem Hostel eingeladen, zu dem Finale des Fußballturniers mitzukommen, das zwischen den Dörfern ausgetragen wurde. Wir haben uns aufgemacht Richtung Nachbardorf und aufgrund des Feiertags war dementsprechend viel los. Man spürt, dass Bihar (der Bundesstaat), gerade auf dem Land wenig touristisch geprägt ist. Die Menschen sind nicht so sehr an „Weiße“ gewöhnt und deshalb kriegt man immer relativ viel Aufmerksamkeit. Viele Leute schauen und teilweise wird man auch fotografiert. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch daran und so konnten wir das Fußballspiel auch genießen. Wir wurden dann noch von einem Mädchen nach Hause eingeladen und so bin ich mit, um etwas Chai zu trinken und ein wenig Obst zu essen. Es war super höflich und alle standen um mich rum – die Tante, Onkel, Cousin und Cousine waren auch noch gekommen – während ich etwas gegessen und getrunken hab.

Abends wurde dann noch getanzt, was super super viel Spaß gemacht hat. Man fasst sich an den Händen geht ein bisschen nach rechts dann nach links, macht was mit den Füßen und wieder von vorne… Es ist relativ einfach, aber man könnte es stundenlang machen.

Das ist meine neue Lieblingssüßigkeit des Jahres 2015: Coconut Cookies:) Super lecker und nicht ganz so pappsüß wie der Rest der indischen Süßigkeiten.

Momentan ist Monsun, Regenzeit, und so hat es die letzten Tage fast ununterbrochen geschüttet. Der kleine Pfad, der  von dem Haus, wo wir wohnen, zur Schule führt, stand deshalb unter Wasser. Und so hatten die Jungs eine kleine Matschschlitterbahn und sehr viel Spaß.

 

Viele liebe Grüße aus Indien

Antonia